Stellungnahme

Das Kerngeschäft einer Bank besteht darin, Geld von Kund_innen aufzubewahren und genau dieses Geld an Kreditwürdige herauszugeben. Sie nimmt Zinsen für die Herausgabe des Kredits und gibt Zinsen an ihre Kund_innen dafür, dass die Bank das Geld verwenden darf. Das Geld bleibt also nicht auf dem Konto liegen, sondern wird in den Finanz- und Investitionskreislauf eingespeist. Weil aber das Geld auf einem Konto mehrfach verliehen werden kann, kann es auch mehrfach wieder zurückkommen und wird mehrfach in den Kreislauf des Kapitals eingespeist. So erschaffen Banken mehr oder weniger aus dem Nichts Geld (siehe John Lanchester, Warum jeder jedem etwas schuldet und keiner jemals etwas zurückzahlt, 2013).

Dieses Kerngeschäft der Banken kann nur durch Vertrauen funktionieren. Wenn wir Geld einzahlen, vertrauen wir darauf, dass die Bank unser Geld sicher aufbewahrt und wir darauf Zugriff haben, sobald wir es brauchen. Der Zins, den wir vonseiten der Bank dafür erhalten, dient als Ermutigung und Gegenleistung für dieses Vertrauen. Genau so, wenn wir von einer Bank Geld ausleihen: Wir bezahlen den Zins als Dank für das Vertrauen in uns.

Vertrauen kostet – und je mehr Vertrauen wir brauchen, desto mehr Zins zahlen wir.

Schauen wir nun genauer hin, stellen wir fest, dass das Bankgeschäft nicht der einzige Ort ist, wo unser System auf Vertrauen beruht. Unser Geld baut auf dem Vertrauen auf, dass andere die Währung ebenso als allgemeines Tauschmittel akzeptieren, wie ich es gerade tue. Anstatt unserem Gegenüber vertrauen wir also der Währung, und damit den Instanzen, die über diese Währung wachen: den Staaten, den Banken, der Hochfinanz (siehe David Graeber, Schulden, 2014).

Dadurch haben wir ein sich selbst reproduzierendes System geschaffen: Unser Geld basiert auf Vertrauen, und unser Vertrauen basiert mehr und mehr auf Geld. Gerade wenn wir mit fremden Menschen zu tun haben, stellt Geld das einzige Mittel dar, ein verbindliches Versprechen, dem wir vertrauen können, herzustellen. Wir zahlen unsere Hotelzimmer, bevor wir sie benutzt haben, wir zahlen online Klamotten, bevor wir sie ausprobiert haben, und lange ist es her, dass wir in unserem Gemüseladen die Einkäufe anschreiben lassen konnten. Erst wer bezahlt, der / dem wird vertraut.

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